Damit Ihr Besuch nicht
vergeblich war: Vier Reiseberichte. Viel Spaß! 
Frei(tags) Parken in Puerto de Mogán

Mitten
in der Nacht werde ich wach. Im Ort ist es endlich ruhig geworden, nur in der
Ferne hupt eine Auto-Alarmanlage im Sekundentakt.
Hier
in „Klein-Venedig“ in Puerto de Mogán herrscht im August
Hitze und Trubel bis tief in die Nacht. Nur wenige Appartements sind von
Touristen bewohnt. Die meisten Häuser gehören Einheimischen, die ihr
Wochenende oder ihre Freizeit außerhalb von Las Palmas und den dort
angrenzenden neuen Hochhaussiedlungen verbringen wollen. So wird in diesem
schönen Hafen in Gran Canarias Süden bis
weit nach Mitternacht lautes südländisches Leben zelebriert.
Die
Alarm-Hupe kommt mir irgendwie bekannt vor, klingt wie die Hupe meines
gemieteten Fiat Punto. Da endet der Tonintervall
endlich, es ist Ruhe, ich schlafe wieder ein.
An
diesem Freitag ist großer Markt, wie ich beim Verlassen des Appartements
bemerke. Menschenmassen ergießen sich in den Ort, um an den
Marktständen vorbei zu flanieren und Mitbringsel für zu Hause zu
kaufen.
Der
Mietwagen steht nicht mehr, wo ich ihn gestern abgestellt habe. „Was ist
denn da passiert?“ frage ich an der Rezeption meines zuständigen
Hotels. Die Empfangsdame beruhigt mich, den Wagen werde ich bestimmt auf dem
Parkplatz ganz am Rand zwischen Hafen und Felsenwand finden. Dorthin lassen die
Marktbetreiber in den Nächten von Donnerstag auf Freitag die störend
geparkten Autos schleppen. Kosten hätte ich nicht zu erwarten.
An
diesem Tag kann ich meinen Fiat nicht mehr fahren, weil der Weg mit Buden
zugestellt ist. Aber er steht wirklich unversehrt auf dem genannten Parkplatz.
In Deutschland würde man ein Parkverbotsschild aufstellen, hier gibt es
kein Verbotsschild. Hier schleppt man einfach ab.
Text:
Hansgeorg Reiche 2003

Nachtrag
2009: Inzwischen existiert doch ein Parkverbotsschild.
Links:
Wichtiger Hinweis:
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Wanderung nach
Veneguera (Gran Canaria)
2006 endlich lässt die Neugier mir
keine Ruhe mehr. Ich stelle meinen Mietwagen spontan in Puerto de Mogán
am Fuße einer für den Autoverkehr gesperrten Bergstraße ab,
passiere eine Absperrschranke und quäle meine Reeboks die Serpentinen
hinauf.
Die Straße ist breit, hier
könnten sich zwei Busse ohne Probleme begegnen, aber die letzte
Asphaltschicht fehlt und die Straßendecke bricht an vielen Stellen schon
auf. Vor Jahren hatte es Pläne gegeben, die Nachbarbucht Veneguera zu
einem riesigen neuen Touristenzentrum im Stil von Puerto Rico auszubauen,
deshalb hatte man wohl schon eine für kanarische Verhältnisse
ungewöhnlich breite Straße angelegt.

Als ich auf dem Bergrücken
ankomme, bietet sich mir ein unverstellter Blick über das Tal von Puerto
de Mogán. Ich bin jetzt seit einer knappen halben Stunde unterwegs und
möchte wissen, wie die Straße weitergeht. Nach einigen Metern
passiere ich ein offenstehendes hohes Drahtzauntor. In den folgenden eineinhalb
Stunden wandere ich weiter auf der gut ausgebauten Straße, die von
Bäumen, Büschen und Kakteen gesäumt wird und sich eng an die
Topographie angelehnt über Bergrücken und durch Barrancos
auf und ab schlängelt. Ich erfreue mich am Wechsel zwischen stellenweise
üppiger blütenreich duftender und dann wieder sehr karger Vegetation
- und dem sich immer wieder öffnenden beruhigenden Blick auf das Meer.





Nachdem ich auf schon leicht
abfallender Straße noch eine beiderseits liegende Bananenplantage
durchquert habe, öffnet sich meinem Blick die schwindelerregend tiefe
Schlucht zur Playa Veneguera. Auf dem Kopfhörer des MP3-Players höre
ich in diesem Moment „El Pino Y El Capirote“ der bekanntesten kanarischen Folkloregruppe
"Los Sabandenos" und speichere so den
überwältigenden Anblick für immer ab.

"Hola!"
Ich grüße eine junge Spanierin, die links neben dem Weg unter einem
Sonnenschirm sitzt und bei Kofferradiomusik die Aussicht zu genießen
scheint. Ihre legère blaue Uniform weist sie
als Mitarbeiterin der Umweltschutzbehörde aus. Und wieder stellt sich mir
ein hoher Drahtzaun entgegen - mit offenem Tor. Das Gebiet zwischen den
Zäunen ist, wie ich auf einem abblätternden Holzschild lesen kann,
Naturschutzgebiet und die Tore werden täglich um 10 Uhr geöffnet und
um 16 Uhr geschlossen.


Nun folge ich den ausladenden
Serpentinen der Straße ganz hinunter ins Tal zum südlichen
kieselsteinigen Strandende mit sanft anbrandenden Wellen. Neben einem
Campingfahrzeug wacht ein weißgekleidetes älteres Ehepaar auf den
mitgebrachten Plastikstühlen über den ansonsten menschenleeren Strand
und genießt den Nachmittagstee. Ohne weiter zu stören sammle ich ein
paar kleine großporige Lavasteine zur Deko des
heimischen Aquariums in meine Hosentasche.

Am südlichen Strandende hat der
stetige Wechsel von Ebbe und Flut die meisten gemauerten Befestigungen an der
Steilküste schon aufgefressen. Mit Mühe finde ich noch den Rest eines
Fahnenmastes, den ich auf einem im Web veröffentlichten Foto erblickt
hatte und auch in der Realität finden wollte. Es ist sehr einsam, ich bin
mit Fels und Meer allein. Einzig die Wellen branden erfrischend in die auf der
Bucht lastende Stille.

Nach kurzem Innehalten verlasse ich
diesen abgeschiedenen Ort, stapfe über den langgezogenen Strand und
erkunde den nach Norden weiter führenden Weg, bis endlich im nächsten
Tal die Welt wirklich zuende ist.

Dort blicke ich nur auf ein kleines
verlassenes Zelt. Auf dem Rückweg sehe ich später hinter mir ein
junges Paar mit Rucksäcken, die wohl inzwischen ihr Lager aufgelöst
haben und mir in großem Abstand folgen.
Mein Weg zurück zieht sich noch
quälend in die Länge, Durst und Rückenschmerzen plagen mich, und
so bin ich froh, nach insgesamt fünf Stunden wieder an meinem blauen Kia Picanto anzukommen.
Nachtrag
Gerade habe ich die belebend-anstrengende
Wanderung hinter mir: Fünf Stunden unter der bereits stechenden April–Sonne Gran Canarias
von Puerto de Mogán zur Playa de Veneguera und zurück. Als ich
meinen am Fuß der Bergstrecke abgestellten Mietwagen erreiche, trinke ich
zwar ein paar Schlucke Mineralwasser, aber das ist inzwischen warm geworden und
erfrischt mich überhaupt nicht. Also fahre ich die gerade mal zweihundert
Meter in den neuen Ortskern von Puerto de Mogán, finde sogar einen
Parkplatz vor einem der wenigen vermieteten neuen Ladenlokale und gehe die paar
Schritte zurück zum kleinen SPAR–Supermarkt.
Mitten am Nachmittag sehe ich
draußen fast nur Touristen, die auf ihre Hotel- oder Linienbusse warten.
Im Laden hingegen treffe ich überraschend viele Einheimische, die in der
Frische der Klimaanlage ihre Einkäufe erledigen. Es herrscht eine ruhige,
entspannte Atmosphäre, keine südländische Hektik. Ich bin erst
wenige Schritte im Laden und überlege noch, was ich kaufe möchte.
Links am Eingang habe ich einen roten Plastikeinkaufskorb gegriffen und suche
zwischen den hohen Regalen, wo denn wohl die Kühltheke mit den
Milchprodukten sei, da erklingt leise eine Hintergrundmusik aus den
Deckenlautsprechern.
Aber ich höre nicht die bei uns
übliche „Easy–Listening“–Kaufhausmusik
– es ist ein Original. Die Melodie erkenne ich bei den ersten
Gitarrenklängen: Die populäre Rockgruppe "Maná" aus
Mexiko spielt ihr „Cuando Los Angeles Lloran“.
Zu Hause finde ich selbst in
Fachgeschäften selten CDs von Maná, die Musik ist in Mitteleuropa kaum
bekannt, als Maná-Fan ist man ein Exot. Und hier läuft diese
wunderschöne Musik einfach im Lebensmittel-Supermarkt.
Ich kaufe ein paar große Flaschen
Trinkjoghurt. Als ich im Auto sitze, fahre ich nicht sofort los, sondern trinke
sogleich eine Flasche Joghurt aus, der ist so schön kühl und
süß und sättigend.
Aber die Musik von Maná hat mich
in ganz anderer Weise erfrischt.
Text
und Fotos: Hansgeorg Reiche 2006
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Der alte Karrenweg
nach Veneguera

Ich
wusste von alten Landkarten, dass es vor Fertigstellung der neuen
Verbindungsstraße früher einen Karrenweg von Mogán ins Tal
von Veneguera gegeben hatte.
Meine
Wanderung starte ich am Fuße der breiten Serpentinenstraße und
folge den langen Schleifen den Westhang des Tales von Mogán hinauf. Bei
klarem Himmel weht heute eine kühle Brise und auch die Sonne sticht zum
Glück nicht. Einige hundert Meter weiter biegt in einer Linkskurve der
Straße rechts unscheinbar ein kleiner mit einer Kette versperrter Weg ab.
Hier beginnt also der alte Karrenweg.
In
engen Kurven erklimmt der Weg schnell das Hochplateau, gleichzeitig wird die
Landschaft karger. Es wachsen keine Palmen mehr, die wurden weiter unten
sowieso nur im Zuge des Straßenbaus angepflanzt, um das Gebiet für
den Tourismus aufzuwerten. Hier oben wurde nichts aufgewertet, was gerade das
Schützenswerte ausmacht.
So
sieht hier der Weg aus: Nicht befahrbar, aber lebendige farbige Natur. Am
Wegesrand finde ich wunderschöne Drachenbäumchen und Diesteln.
Nach
einer Stunde über holprige Pisten warte ich darauf, das alte verfallene
Hirtenhaus zu entdecken, das am Wege stehen muss. Als ich es schließlich
erreiche, fehlt mir der Mut, das Innere des verlassenen Anwesens zu erkunden.
Die Einsamkeit und Stille dieses Ortes überfällt mich. Ich fühle
mich ängstlich wie ein Kind, sehr angreifbar und schutzlos - eine
Erfahrung, die man nur machen kann, wenn man allein wandert.
Nach
einer letzten Rechtskurve enthüllt sich noch ein Geheimnis: Bei Google Earth sah ich hier am oberen Wendepunkt des
Karrenweges ein undefinierbares weißes Etwas; es ist ein alter gekalkter
Brunnen - voll mit ungenießbarem Algenwasser.
Text:
Hansgeorg Reiche 2007
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Welch’ ein Glück, wenn der türkische Bus
streikt.

Nach
dem „Kantinenessen“ in einem großen Touristen-Imbiss sind wir
den Weg an den Kalksinterterrassen von Pamukkale
hinaufgestiegen – und jetzt streikt unser Bus. Mehrere Stunden wird es
dauern, bis das Ersatzteil gebracht wird. Wir können uns außerhalb
der von „Berge & Meer“ organisierten Kauf- und Fress-Rundfahrt
wirklich einmal den antiken Sehenswürdigkeiten widmen.
Ich
tue das mir Naheliegende und greife meine Badehose aus dem Handgepäck. Das
Nymphäum von Hierapolis
oberhalb von Pamukkale ist ein altes Naturbecken
zwischen Verkaufsbuden und Teestuben und lädt zum Warmbaden ein. Zwar
schneidet die Februar-Kälte in die nackte Schwimmerhaut, aber im
körperwarmen Mineralwasser schwebe ich zwischen umgestürzten
Säulen hinein in die Antike. Die Erdbeben haben hier in Jahrhunderten ein
wundervolles Naturbecken entstehen lassen. Eine Stunde lang bade ich den 6 Euro
teuren Eintritt ab.
Der
Bus steht immer noch still. Wieder angekleidet und mit Wollmütze auf dem
Kopf streife ich durch das geschichtsträchtige Gelände. Zum ersten
mal in meinem Leben betrete ich ein römisches Theater. Es ist noch gut
erhalten und beeindruckend groß. Ich steige die Stufen bis ganz oben
hinauf und habe freien Blick über die Ebene.
Vor
meinem inneren Auge wird die Kulisse lebendig. Ich steige die mit
fünftausend erwartungsfrohen Theaterbesuchern gefüllten Ränge
Schritt für Schritt hinunter und tauche tief in die Unterhaltungsszene des
antiken römischen Kurortes ein.
Am
nächsten Morgen zeigt uns der Reiseführer noch die Nekropole –
die Gräberstätte. Die meisten Mitreisenden bleiben in dieser
bitterkalten Frühe gleich im Bus. Antike – erklärt in wenigen
Minuten. Ein achtzigjähriger Altsprachler aus Stuttgart: „Da ist man
einmal in seinem Leben an diesem historischen Ort – und dieser Mensch
rast mit uns hier nur so durch!“
Text:
Hansgeorg Reiche 2002
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